Sterile Raumstationen machen Astronauten krank

Astronauten bekommen nach längeren Aufenthalten im Weltall oft gesundheitliche Probleme. Sie klagen etwa häufig über Hautausschläge, Pilzinfektionen oder Gürtelrose. Forschende vermuten seit Längerem, dass Gene in weißen Blutkörperchen, die für das Immunsystem wichtig sind, während der Weltraumreisen weniger aktiv sind.

Forschende haben nun eine mögliche Ursache gefunden: Die Umgebung in den Raumkapseln und auf der Internationalen Raumstation ISS sei schlicht zu sauber, schreiben sie in einer Studie, die am Donnerstag im Fachjournal »Cell«  publiziert wurde. Das wirke sich negativ auf die Gesundheit der Astronauten aus, man müsse die Umgebung »schmutziger« machen.

Die Wissenschaftler der University of California ließen für die Studie Astronautinnen und Astronauten der Raumstation über 800 Abstriche von verschiedenen Oberflächen auf der ISS nehmen. Mit den Proben bestimmten die Forschenden dann die Anzahl und Arten von Bakterien. Das Ergebnis: Auf der ISS gibt es nahezu keine natürlichen Umweltmikroben, die sonst etwa im Boden oder in Gewässern vorkommen. Die benötige der Mensch aber, um das Immunsystem zu stärken. Der Mangel an so einer mikrobiellen Vielfalt könnte der Grund sein, warum die Astronauten so anfällig für Krankheiten sind. Damit keine Erreger ins All gelangen, werden derzeit alle Oberflächen mit Desinfektionsmitteln gereinigt.

Gezielt Schmutz ins All mitschicken

»Es macht einen großen Unterschied, ob wir beim Gärtnern gesunde Erde haben oder in unserem eigenen Dreck schmoren«, sagt Rob Knight, einer der Studienautoren. »Das passiert etwa, wenn wir uns in einer streng abgeschlossenen Umgebung befinden und keine kontinuierliche Zufuhr dieser gesunden Mikrobenquellen von außen bekommen.«

Künftig könnte es helfen, gezielt bestimmte Mikroben auf die Reise ins All zu schicken, um die Gesundheit der Astronauten zu verbessern, sagen die Forscher. »Wenn wir wirklich wollen, dass das Leben außerhalb der Erde möglich wird, können wir allerdings nicht einfach einen kleinen Zweig vom ›Baum des Lebens‹ nehmen, ihn in den Weltraum schicken und hoffen, dass es klappt«, sagt Hauptautor Rodolfo Salido. Nun müsse geforscht werden, welche nützlichen Begleiter man den Astronauten mitgeben kann, um ihre Gesundheit zu verbessern.

Sterile Umgebung: Schlecht fürs Immunsystem

Foto: Astronaut Provided / Nasa / ZUMA Press Wire / IMAGO

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